Treffen mit Martha Akawa und Jeremy Sylvester

Nach dem Besuch des National Archive of Namibia haben wir am Abend in einer mehr informellen Runde im Franco-Namibian Cultural Institute in der Robert Mugabe Street die Historiker/innen Martha Akawa und Jeremy Sylvester und eine Freundin der beiden auf ein Getränk getroffen.
Martha Akawa lehrt Namibische Geschichte für Bachelor-Student/innen an der University of Namibia (UNAM). Jeremy Sylvester kommt aus der Anti-Apartheidarbeit in England und lebt seit vielen Jahren in Namibia. Er arbeitet ebenfalls als Historiker an der University of Namibia und ist seit 2005 Projektleiter der Museums Association of Namibia in Windhoek. Beide arbeiten zudem in einem Projekt über die zivilen Opfer während des SWAPO-Befreiungskampfes und haben 2006 ein Ausstellungsprojekt zur afrikanischen visuellen Geschichte und der Visualitität der Schweizer Solidaritätsbewegung wissenschaftlich begleitet.


Für die Arbeit der Museums Association betonte Jeremy die Notwendigkeit der Geschichtserzählung „von unten“ bzw. der Gegengeschichte in Bezug auf offizielle nationale Geschichtsschreibungen. Geschichte erinnern und erzählen sei immer ein wichtiger und zugleich gefährlicher Teil im Prozess von Nationbuilding. So sei z.B. in Namibia die Erinnerung an den Befreiungskampf von Heldenerzählungen dominiert, die den Anteil von Frauen daran unsichtbar machen würden.
Martha interessierte auch, wie Kolonialgeschichte in Deutschland erinnert und verhandelt wird, beispielsweise auf der Ebene der Geschichtsvermittlung in Schulen. Außerdem diskutierten wir Repräsentations- und Erinnerungspolitiken in Museen und im öffentlichen Raum, so zum Beispiel im Owela-Museum in Windhoek und in Bezug auf koloniale Straßennamen und deren Umbenennung in Deutschland und Namibia.
Jeremy und Martha plädierten dafür, Forschungen zur deutschen Kolonialgeschichte in Namibia auf englisch zu verfassen, um die Ergebnisse der namibischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen.