Besuch in den National Archives of Namibia

Am Freitag, dem 17. September waren wir in den National Archives of Namibia und haben uns mit dem Leiter, Werner Hillebrecht, getroffen. Die National Archives sind aus einem Archiv, das 1939 von deutschen Siedlern gegründet wurde, hervorgegangen. Später kamen Akten der südafrikanischen Kolonialverwaltung sowie Dokumente der Befreiungsbewegung hinzu.

Werner Hillebrecht führte uns durch die verschiedenen Räume des Archivs und kommentierte die verschiedenen Bestände. Passend zum inhaltlichen Schwerpunkt der Reise, der Landreform nach der Unabhängigkeit, zeigte uns Hillebrecht im Kartenarchiv verschiedene Landkarten, in denen die Besitzverhältnisse vor und nach den Enteignungen, die den Aufständen zwischen 1904 und 1908 folgten, verzeichnet waren. Hillbrecht erwähnte beiläufig, dass moralisch gesehen es eigentlich ja die deutsche Regierung sei, die einen Fond einrichten müsste um das Land von den weißen Farmern zurückzukaufen.


Der Leiter des Archivs bemerkte außerdem, dass die nördlich der damaligen „Polizeizone“ liegenden Gebiete, in denen keine Enteignungen stattfanden, auf andere Weise noch heute ökonomisch benachteiligt seien. Da die Impfstandards im sogenannten Ovamboland von der EU als nicht ausreichend betrachtet werden, darf von dort kein Fleisch in den EU-Export gehen. Die Auseinandersetzungen um Impfstandards knüpfen zum Teil an den Widerstand gegen die seuchenpolizeilichen Maßnahmen der südafrikanischen Kolonialverwaltung an. Weil die Impfbestimmungen damals mit Beschränkungen der Viehbestände einhergingen, wurden Sie von vielen schwarzen Bauern verweigert. Dieser Widerstand fällt auch im postkolonialen Namibia negativ auf die Produzenten zurück.
Eine Etage tiefer sahen wir die Akten der deutschen Kolonialverwaltung und der deutschen Bezirksverwaltungen, die, sieht man gelegentlichem Termitenfraß ab, in einem erstaunlich guten Zustand sind. In den Räumen, in denen die Akten der südafrikanischen Kolonialverwaltung gelagert wurden, erzählte uns Werner Hillebrecht, dass es ein langer Kampf war die Aufzeichnungen vom Generalgouverneur zu erhalten. Erst in den 90er Jahren und unter der ANC-Regierung wurden die Akten zurück nach Windhoek gebracht.

Noch gar nicht bewertet und völlig unerschlossen sind die Akten der südafrikanischen Landwirtschaftsbehörden. Die Subventionspolitik für weiße Farmer während der Apartheidszeit, die ja auch ein wichtiger Aspekt der Landfrage ist, ist noch zu schreiben. Leider gibt es, so Hillebrecht, kaum HistorikerInnen, die Afrikaans sprechen oder dies zu lernen bereit sind, um diese Arbeit zu erledigen.
In anderen Räumen zeigte uns Werner Hillebrecht verschiedene Ton, Video und Fotosammlungen. Unter anderem verfügt das Archiv über mehrere Regalmeter Videokassetten mit Interviews, die im Zuge der Vorbereitung der Landkonferenz von 1991 von einem Filmemacher aufgenommen wurden. Er sprach mit verschiedenen AkteurInnen, landlosen FarmarbeiterInnen, weißen Besitzenden von sogenannten Commercial Farms und vielen Anderen. Neben skurrilen Fotos, die z.B. Sam Nujoma mit der damals amtierenden Miss World zeigen, waren auch beklemmende Fotos von Parkbänken in Windhuk zu sehen, welche die aus Südafrika bekannten Aufschriften: „Nur für Weiße“ tragen, zu sehen.

Einige akustische Impressionen unseres Gesprächs, gibt es hier: